Kinderportraits

Die Serie „das Kind in seiner Welt“ ist mein Projekt, in dem ein Bild in der Zusammenarbeit mit einem Kind entsteht. Hier wird die klassisch realistische Porträtkunst durch die naive und spontane Malerei des Kindes ergänzt: ich male das Kind, und das Kind malt seine Welt um sich herum.

Der Prozess der Entstehung des Bildes ist eine Kunstform an sich. Das Konzept der Bildenden Kunst wird überwunden und in ein Ereignis verwandelt. Der strenge Rahmen der realistischen Darstellung wird durch die technik- und formfreie Malerei erweitert, die durchdachte Komposition und das Farbschema ändern sich permanent. Die Aussicht bleibt ungewiss, das Resultat  unvorstellbar. Das Ergebnis der Verbindung des Portraits eines Kindes mit seinem eigenen Werk,  eine Mischung  der professionellen Malerei und der nicht voraussehbaren kindlichen Arbeit auf einer Leinwand – ist mehr als „nur das Bild“. Die Leinwand „erzählt“ nicht nur über eine  Begebenheit, sondern sie ist selbst eine Begebenheit geworden.

Das Bild präsentiert zwei Welten in einem Dialog. Ein in der künstlerischen Tradition seiner Zeit gewachsener Künstler kann sich davon nicht ganz befreien, auch wenn er versucht  sich von den Traditionen zu trennen. Ein Kind kann von der Entdeckung der Kunst begeistert sein, aber es gehört noch keiner Tradition an und ist ganz frei.  Unbewusst öffnet   das Kind eine Tür in seine Träume.

Noch ein anderer Aspekt der Zusammenarbeit ist die Entstehung einer Hypertextebene. Das Internet beeinflusst heute wesentlich das Denken und die Wahrnehmung eines Menschen. Prinzip des Hypertextes, d.h. die Möglichkeit  vom jeden beliebigen Punkt eines fertigen Textes in ein ganz anderes Konzept zu überspringen, dringt jetzt auch in die Literatur und in die bildende Kunst ein. Die Kinderporträts stellen ein Beispiel des Hypertextes dar: der Zuschauer vollzieht beim Betrachten des Bildes  permanent den Übergang von einem Konzept in das andere.